Reformationsjahr 2017 in Franken

Sowohl der Mensch Martin Luther als auch die Reformation besitzen einen starken Bezug zu Franken, auch wenn der Schwerpunkt zur Reformation selbst natürlich in Wittenberg im heutigen Sachsen-Anhalt liegt und auch Erfurt und die Wartburg eine wichtige Rolle dabei spielen.

Martin Luthers Eltern stammten beide aus Franken, seine Mutter bzw. deren Familie aus Neustadt an der Saale (Unterfranken), sein Vater aus Möhra (Henneberg-Franken (Südthüringen)). Seine Mutter stammt also aus dem Hochstift Würzburg, sein Vater aus der fränkischen Gefürsteten Grafschaft Henneberg.

Die Stadt Schmalkalden, Namensgeberin des Schmalkaldischen Bundes, gehörte ebenfalls zur Grafschaft Henneberg, wurde jedoch seit 1360 gemeinsam mit den Hessischen Landgrafen regiert.

Die Grafschaft Henneberg existierte bis über Martin Luthers Tod 1546 hinaus, bis 1583. Formell existriete diese im Fränkischen Reichskreis noch bis 1806 weiter, wo diese nach dem Aussterben der Henneberger Grafen, nach dem Inkrafttreten zweier Erbverträge, von den Wettinern und den Hessischen Landgrafen vertreten wurde. Selbst die Pflege Coburg (Coburg, Hildburghausen, Sonneberg), welche bereits vor der Einrichtung der Reichskreise 1500 in der 2. Hälfte des 14. Jhd. an die Wettiner gefallen war, wurde zu Luthers Zeiten ganz klar Franken zugeordnet, siehe u.a. Kirchenvisitation im Ortsland Franken und Verwaltungsbezirk Fränkischer Kreis im Kurfürstentum Sachsen. Die Wettiner haben Ihre Besitzungen südlich des Rennsteigs, zumindest bis 19. Jhd. hinein, immer als ihre Ortslande zu Franken betrachtet und bezeichnet.

Franken zur Zeit Martin Luthers:

Martin Luther hatte reichlich Verbindungen nach Franken und Kontakte zu Franken. Nürnberg war von sehr großer Bedeutung für die Vebreitung seiner Schriften. Als damals größte und bedeutenste Stadt im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation war sie ein sehr wichtiger Dreh- und Angelpunkt gewesen. Die auch als Fränkische Krone bezeichnete Veste Coburg bot Martin Luther nicht nur Schutz und Nähe während des Augsburger Reichstags. In der Pflege Coburg hatte er auch enge Vetraute, wie den Fränkischen Reichsritter Hans Schott von Schottenstein aus Hellingen im Heldburger Unterland nahe der Fränkischen Leuchte, der heute im Landkreis Hildburghausen gelegenen Veste Heldburg.

Heute wird der fränkische Teil des Freistaats Thüringen südlich des Rennsteigs i.d.R. von Franken ausgeschlossen. Um dies zu ändern, haben wir unseren Verein gegründet. Die Ausgrenzung von Franken und die damit verbundene vollumfängliche Vereinnahmung für Thüringen zeigt sich leider auch an den Aktivitäten zum Reformationsjahr 2017.

Franken wird entgegen oben geschilderter Tatsachen i.d.R. im Wesentlichen auf den heute im Freistaat Bayern liegenden Teil Frankens begrenzt. Hier einige Beispiele:

http://www.franken-luther.de/, http://www.frankentourismus.de/highlights-2017/500-jahre-reformation-luther-jubilaeum/ und http://www.die-fraenkischen-staedte.de/luther-in-franken/ – Der Tourismusverband Franken ignoriert sein eigenes Verbandsgebiet. Auf der Frankenkarte in dessen Broschüre zum Reformationsjubiläum „Revolution und Reformation“ wird die Tourismusregion Coburg.Rennsteig nur unvollständig dargestellt. Es kann allerdings sein, dass sich hier die Erstellung der Broschüre und die Entwicklung der Tourismusregion Coburg.Rennsteig zeitlich überschnitten haben. Gravierender ist, dass in der Beschreibung des Fränkischen Reichskreis als einziges die Grafschaft Henneberg in der Auflistung der größeren Mitgliedsterritorien fehlt. Die Aussage 1806 ist (ganz) Franken an Bayern gefallen, ist nicht ganz korrekt. Dafür wird allerdings immerhin auf der Karte des Fränkischen Reichskreises die Grafschaft Henneberg ganz klar ausgewiesen und hier, entgegen der oft vorzufindenden falschen Karten, korrekterweise auch die Herrschaft Schmakalden als Teil der Grafschaft Henneberg behandelt.

http://www.lutherweg.de – Der Lutherweg wird anhand der Bundesländer aufgeteilt dargestellt. Der Streckenverlauf durch die Pflege Coburg wird teilweise sowohl für Thüringen als auch für Bayern dargestellt. Die meisten der vorgestellten Orte werden jedoch strikt nach Bundesland getrennt behandelt. Einer historischen Betrachtung auf die Zeit der Reformation wird diese Praxis nicht gerecht. Es stellt sich auch die Frage, wieso der Lutherweg nicht auch durch Neustadt an der Saale, Nürnberg oder weitere Orte im Freistaat Bayern verläuft.

Unser bisheriger Beitrag:
1.1.2017

Pressebeitrag zum Start des Reformationsjahres 2017 zur Frage ob Martin Luther Thüringer, Sachse oder gar Franke war Download – PDF
Veröffentlicht auf henneberginfo.de (Link) und suedthueringen-aktuell.de (Link)
Verwendet von BILD Nürnberg am 2.1.2017 Download – PDF