Bundesland Mitteldeutschland

… und „Südthüringen“ wechselt gleichzeitig in den Freistaat  Bayern?

Aktueller Status der Initiative Bundesland Mitteldeutschland

Im Herbst 2013 begann die Initiative Bundesland Mitteldeutschland in Halle (Sachsen-Anhalt) und Leipzig (Sachsen) mit der Sammlung von benötigten 7.000 Unterschriften für eine Fusion der Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

"Südthüringen" gelb hinterlegt

„Südthüringen“ gelb hinterlegt

Im Frühjahr 2015 wurden mehr als 10.000 gesammelte Unterschriften zur Prüfung an die betreffenden Rathäuser übergeben.
Anfang Juli 2015 wurden die geprüften Unterschriften an das Bundesinnenministerium zur Prüfung des Anliegens übergeben.
Homepage der Initiative: http://www.neugliederung-bundesgebiet.de/volksbegehren-mitteldeutschland/

Wie geht es damit jetzt weiter?

Sollte das Bundesinnenministerium das Anliegen mit positiven Ergebnis prüfen, so wird als nächstes, wieder nur in Halle und Leipzig, ein Amtseintragungsverfahren auf den Rathäusern stattfinden, bei dem innerhalb von zwei Wochen 10% der wahlberechtigten Einwohner die Initiative mit ihrer Unterschrift unterstützen müssen.
Jedoch hat das Bundesinnenministerium den Antrag abgelehnt. Die Initiatoren des Vorhabens können nun gegen diese Entscheidung vor dem Bundesverfassungsgericht klagen.
Sollte das Amtseintragungsverfahren erfolgreich sein, so wird als nächstes ein Volksentscheid in den drei Bundesländern abschließend über die Fusion entscheiden. Auf diesem Weg ist 1952 das heutige Bundesland Baden-Württemberg entstanden!

Was spricht für ein Bundesland Mitteldeutschland?

  • Die Bundesländer Sachsen-Anhalt und Thüringen haben nur etwas mehr als zwei Millionen Einwohner, Sachsen ist mit gut vier Millionen Einwohnern auch nicht wirklich groß. Viele Studien haben bereits eine Mindestgröße von mindestens fünf Millionen Einwohnern empfohlen.
  • Der europäische Wirtschaftsraum der Metropolregion Mitteldeutschland entsteht derzeit in diesen drei Bundesländern.
  • Städtetourismus entlang der A4.
  • Es handelt sich größtenteils um den historischen Siedlungsraum der Thüringer. Die Grenzregion Mark Thüringen, später Markgrafschaft Meißen, nahm erst dann den Namen Sachsen an, als sich der Machtbereich sächsischer Adliger (Askanier, Wettiner) vom heutigen Niedersachsen bzw. der altsächsisch kolonisierten Mark Brandenburg aus bis in das heute als Sachsen bezeichnete thüringische Gebiet (Obersachsen) ausbreitete. Im Laufe der Zeit breitete sich der Machtbereich der sächsischen Fürsten durch die Übernahme der Landgrafschaft Thüringen (1440 bzw. 1660) dann in Richtung Westen aus.
  • Kulturräumlich verbindet die drei Bundesländer deshalb der Thüringisch-Obersächsische Sprach- und Kulturraum.

Welche Gebiete der drei heutigen Bundesländer gehören historisch und kulturräumlich nicht dazu?

  • Der Norden Sachsen-Anhalts gehörte größtenteils zum Stammesherzogtum Sachsen und ist somit ur-sächsisches Gebiet und ist als östlicher Teil der Stammessächsischen Region Deutschlands Bestandteil Ostfalens. So könnte dieser auch nach Niedersachsen oder alternativ nach Brandenburg wechseln wollen.
  • Ebenfalls nach Ostfalen (Niedersachsen) könnte sich der Nordwesten des Freistaats Thüringen orientieren, auch wenn hier die entsprechenden historischen Bande nicht ganz so intensiv sind, so gibt es doch einen stärkeren kulturräumlichen Bezug nach Niedersachsen.
  • Im Westen des Wartburgkreises gibt es kleinere Gebiete, die bis 1815 zu Hessen gehörten und kulturräumlich eindeutig osthessisch sind.
  • Das heutige „Südthüringen“ ist historisch und vor allem auch kulturräumlich eine eindeutig fränkisch geprägte Region, welche keine nennenswerten historischen Verbindungen zum historischen Thüringen besitzt. Auch geografisch und wirtschaftlich gehört diese Region nicht zu Mitteldeutschland.

Was bedeutet dies für das heutige Südthüringen?

Sollte es zum aus volkswirtschaftlicher Sicht sinnvollen Bundesland Mitteldeutschland kommen, läge der fränkische Teil des Freistaats Thüringen innerhalb dieses Gebildes noch stärker hinter dem Wald. Ein Bundesland Franken gibt es derzeit nicht, auch ist es nicht in Sicht. Dieses ist aus derzeitiger Sicht nur im Rahmen einer allgemeinen Neugliederung des Bundesgebietes realisierbar.
Also könnte man überlegen, ob man sich als Wahloption für einen Wechsel in den Freistaat Bayern aussprechen sollte, wenn es zum Bundesland Mitteldeutschland kommen sollte.
Es gäbe also für unsere Region dann zwei Fragen zu beantworten:

  • Sind Sie für die Fusion der Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen?
  • Sind sie für einen Wechsel des heutigen Südthüringen in den Freistaat Bayern, falls es zu der Fusion der drei Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen kommt?

Wenn man berücksichtigt, dass es 1919/1920 für den Freistaat Sachsen-Meiningen (damals SLZ, MGN, HBN und SON + thüringisches SLF) schon einmal eine ähnliche Entscheidung gab, die dazu führte, dass sich fränkisch geprägte Gebiete dem neu entstandenen Land Thüringen anschlossen, stellt man nüchtern betrachtet fest, dass die heutige Situation bzw. Fragestellung eigentlich keine andere ist. Die aus unserer Sicht damals falsche Entscheidung Sachsen-Meiningens – übrigens kein Volksentscheid – ist letztendlich auch der Grund für das Bestehen unseres Vereins. Hätte man sich damals anders, also so wie Sachsen-Coburg per Volksabstimmung, entschieden, würde unsere Region heute nicht fälschlicherweise vollumfänglich Thüringen zugeordnet werden. Die Menschen unserer Region würden sich heute, so wie dies die Coburger praktizieren, ebenfalls als Franken (im Freistaat Bayern) und nicht fälschlicherweise als Thüringer (im Freistaat Thüringen) betrachten.

Was spräche in diesem Fall gegen einen Wechsel in den Freistaat Bayern?

  • Nach München wären wir sowohl mit dem PKW als auch mit der Bahn im Mittel etwa die Hälfte länger unterwegs als nach Leipzig.
    Vergleich_Fahrstrecken_und_Fahrzeiten
  • Bekanntlich gibt es im Freistaat Bayern ein sehr großes Investitions- und Fördergefälle zwischen München bzw. Oberbayern und den sechs anderen Regierungsbezirken. Das Förder- und Investitionsgefälle zwischen Erfurt bzw. Mittelthüringen und den drei anderen Planungsregionen im Freistaat Thüringen scheint nicht ganz so groß zu sein, wobei natürlich auch die Planungsregionen im Freistaat Thüringen um ein Mehrfaches kleiner sind als die Regierungsbezirke im Freistaat Bayern. Diese sind im Mittel alleine fast schon so groß wie der gesamte Freistaat Thüringen.
  • Hat man ein Bundesland Franken als Fernziel im Blick, so wäre diese Veränderung nur ein Zwischenschritt. Es wäre also fraglich, ob man diesen Aufwand wirklich betreiben will.
  • Nach etwa 100 Jahren Thüringisierung (pro thüringischer Propaganda) in unserer fränkischen Region betrachten sich die meisten Menschen hier als Thüringer und nicht als Franken im Freistaat Thüringen. Eine Unterscheidung einer kulturellen Identität von der Staatsbürgerschaft im Freistaat Thüringen, wie diese z.B. im Freistaat Bayern gelebt wird, wird bei uns von den meisten Bürgerinnen und Bürgern nicht praktiziert.
    Das auf keine besondere Generation zu applizierende aber zum Teil ausgeprägte leider noch immer vorhandene Ost-/West-Denken aufgrund der 40-jährigen Trennung der beiden deutschen Staaten verstärkt die Identifizierung mit dem Freistaat Thüringen.

Was spräche in diesem Fall für einen Wechsel des heutigen Südthüringen in den Freistaat Bayern?

  • Die Wirtschaft des heutigen Südthüringen ist nach 25 Jahren Deutscher Einheit wieder ganz eindeutig nach Süden und Westen ausgerichtet.
  • Der Arbeitsmarkt ist von Süden und Westen bis zum Rennsteig längst ein gemeinsamer Arbeitsmarkt geworden. Aus dieser Konkurrenzsituation heraus etablieren sich zunehmend zumindest für Fachkräfte „Westlöhne“.
  • Es gibt zahlreiche die Landesgrenze ignorierende wirtschaftliche Kooperationen in verschiedensten Bereichen.
  • Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich weitere Landkreise oder Städte, dem Beispiel Sonnebergs folgend, ebenfalls der Metropolregion Nürnberg anschliessen werden.
  • Das heutige Südthüringen integriert sich zunehmend in die touristischen Strukturen im fränkischen Teil des Freistaats Bayern.
  • Es wäre nach der Zerschlagung der Einheit Frankens durch Napoleon und seine deutschen Freunde 1806 ein Schritt zur fränkischen Wiedervereinigung, zumindest innerhalb des Freistaats Bayern.

Wie steht der Verein Henneberg-Itzgrund-Franken e.V. zu diesem Thema?

Sowohl bezüglich des Bundeslandes Mitteldeutschland und vor allem bezüglich eines Wechsels in diesem Zusammenhang in den Freistaat Bayern gibt es derzeit kein einheitliches Meinungsbild in unserem Verein. Wir haben Mitglieder, die sofort für einen Wechsel in den Freistaat Bayern wären, andere Mitglieder sind entschieden gegen beide Vorhaben. Wir möchten jedoch zumindest die offene öffentliche Diskussion dazu anstossen bzw. dazu ermutigen.