Geschichte Thüringens

… speziell aus der Sicht Henneberg-Frankens

Die Thüringer und deren Königreich

koenigreich-der-thueringer

Stellte das Thüringisch-Fränkische Mittelgebirge einst die nördliche Siedlungsgrenze der Kelten dar, so war es auch etwas später die südliche Siedlungsgrenze der Thüringer.

Das Königreich Thüringen existierte bis zum Jahr 531, als die Thüringer von den Franken geschlagen wurden. Unklar ist, ob an dieser Schlacht wirklich auch die Sachsen, die damals im heutigen Niedersachsen und weiter westlich zu Hause waren, beteiligt waren. Einige historische Quellen legen den Verdacht nahe, das ein Großteil der Thüringer damals in die Region um das heutige Dresden abwanderte.

Seit dem 19. Jahrhundert wird behauptet das heutige Südthüringen hätte vor 531 zum Königreich der Thüringer gehört, welches im Süden angeblich bis an den Main oder gar an die Donau reichte. Stichhaltige Belege dafür gibt es nicht. Dahingegen gibt es einige Belege, die das Gegenteil beweisen. Die südliche Hälfte des Königreichs der Thüringer, im Wesentlichen also das Thüringer Becken, ging an die Franken. Das nördliche Gebiet ging an die Sachsen.

Das Museum für Thüringer Ur- und Frühgeschichte in Weimar zeigt zum einem ebenfalls die im 19. Jahrhundert entstandenen Karten bzgl. des Königreichs der Thüringer bis an die Donau, zeigt aber auf Detailkarten den in obiger Karte blau markierten Berech sowohl als Kernsiedlungsgebiet der Thüringer als auch als das Kerngebiet des Königreichs der Thrüinger. Thüringische Ortsgründungen bzw. -namen und Gräberfunde sind südlich des Rennsteigs sehr selten. Bekannt ist, dass die Frankenkönige nach 531 thüringische Adelige ausgestattet mit Höfen und anderen Besitztümern aus strategischen Gründen u.a. in Mainfranken ansiedelten. Hieraus sind wohl so einige Fehldeutungen entstanden.

Das Herzogtum Thüringen

Henneberg-Franken Herzogtum Thüringen

Zur Zeit der Merowinger entstand im Frankenreich ein Herzogtum Thüringen (blaue Markierung), welches bis ins 8. Jahrhundert existierte und in enger Verbindung zu Mainz und damit zum heutigen Hessen, damals Teil des Herzogtums Franken, stand. Die Zuordnung des Bereichs um Bad Salzungen zum Herzogtum Thüringen kann, laut dem derzeitigen Stand unserer Recherchen, wohl zumindest angezweifelt werden.

Noch in der Zeit Karls des Großen bildete südlich davon der hauptsächlich in den Haßbergen gelegene Rennweg als Ostgrenze des historischen Grabfeldes die ethnisch-kulturelle Grenze zwischen Franken und Kelten, Slawen (Winden) und Sorben. An das Herzogtum Thüringen schloß sich im Osten, in etwa im Bereich des heutigen Freistaats Sachsen, die Mark Thüringen, also die Grenzregion der Thrüinger, an.

Erst von Fulda und später von Schweinfurt ausgehend wurde dann unsere Region im Rahmen der Ostkolonialisierung von Franken besiedelt. Dieser Vorgang ist noch heute die Ursache für die kulturräumliche Zugehörigkeit des heutigen Südthüringen zu Franken. Ortsnamen mit der Endung „-hausen“ nördlich des Rennsteigs belegen, dass sich damals, zumindest zeitweise, auch dort Franken niederließen oder zumindest viele Orte gründeten. Recht bald etablierte sich dann jedoch der heutige Rennsteig auf Grund der geografischen Gegebenheiten als politische Grenze zwischen Franken und Thüringen-Obersachsen.

Die Landgrafschaft Thüringen

Henneberg-Franken Landgrafschaft Thüringen

1131 entstand die Landgrafschaft Thüringen (blaue Markierungen), welche zeitweise in Personalunion mit der Landgrafschaft Hessen regiert wurde.
Nach der Aussterben der Ludowinger 1247 und einigen darauffolgenden Streitigkeiten und kriegerischen Auseinandersetzungen ging die Landgrafschaft Thüringen einige Jahrzehnte später endgültig an die Markgrafen von Meißen, die von da an auch den Titel Landgraf von Thüringen trugen. Die Landgrafschaft Thüringen existierte noch bis 1440 weiter. Im heutigen Südthüringen gehörten lediglich einzelne Orte im Bereich Schmalkalden und nur bis zum Aussterben der Ludowinger 1247 zur Landgrafschaft Thüringen.
In unserer Region, die damals ein Teil des fränkischen Reichsguts war und ursprünglich auch weltlich zum Bistum Würzburg gehörte, entstand damals das Herrschaftsgebiet der fränkischen Gefürsteten Grafen von Henneberg, inklusive deren Nebenlinien u.a. der Herren von Frankenstein und der Herren von Stein zu Liebenstein.

Obersachsen

Bereits 1353/1374 wechselte die Pflege Coburg – die Altkreise Coburg, Hildburghausen und Sonneberg -, bis dahin ein Teil der Gefürsteten Grafschaft Henneberg, nach einem kurzem Intermezzo als Mitgift bei Brandenburg und einer kurzzeitigen teilweisen Rückkehr zu den Hennebergern, endgültig als Erbmasse zur Markgafschaft Meißen, dem späteren Kurfürstentum Sachsen. Hildburghausen, Eisfeld und Heldburg gehörten zu dieser Zeit auch mal kurzzeitig den Burggrafen von Nürnberg.
1425 starb der letzte Markgraf von Meißen und Landgraf von Thüringen. Bereits zwei Jahre vorher kam die ehemalige Landgraftschaft Thüringen als Bestandteil der Mark Meißen an das Kurfürstentum Sachsen. Die Wettiner übernahmen von den Askaniern die Macht in Obersachsen.
1485 kam es im Zuge der Leipziger Teilung zur ersten groben Aufteilung zwischen Sachsen und Thüringen, jedoch alles unter dem Namen Sachsen.
Ab dem Aussterben der Henneberger 1583 übernahmen die Wettiner größtenteils die Verwaltung und die Exekutive im Henneberger Land, welches jedoch bis 1806 zum Fränkischen Reichskreis gehörte. Schmalkalden fiel nun vollständig an die Landgrafen von Hessen.

Zwischen dem ersten und dem zweiten Deutschen Kaiserreich

1806 entstand durch Kaiser Napoleons Unterstützung auch das Königreich Sachsen. Hierdurch wurde das Gebiet, welches in etwa dem heutigen Freistaat Sachsen entspricht, endgültig aus dem Kurfürstentum Sachsen herausgelöst.
1819/26 wurde mit dem Teilungsvertrag von Hildburghausen ein Zusammenschluss der Sächsischen Herzogtümer südlich des Rennsteigs verhindet, so dass es nicht zu drei zusammenhängenden sondern zu drei zerrissenen Herzogtümern der Ernestinern kam.
Damals entstand der Begriff der Thüringischen Staaten als eher umgangssprachliches Synonym für den Begriff Sächsische Herzogtümer.

Im zweiten Deutschen Kaiserreich

Im 1871 entstandenen Deutschen Kaiserreichs ließ sich das Herzogtum Sachsen-Meiningen im Bundesrat, im Gegensatz zu den anderen Sächsischen Herzogtümern, vom Königreich Bayern vertreten.

Weimarer Republik, Drittes Reich und DDR

Das Land Thüringen wurde 1920 gegründet, bestand bis 1952 und war seit 1440 die erste unabhängige politische Einheit in Deutschland namens Thüringen. Bis 1990 war dann das Gebiet der DDR in Bezirke unterteilt. Der Bezirk Suhl trug in dieser Zeit den Spitznamen „Autonome Gebirgsrepublik Suhl“.

Freistaat Thüringen

1990/1993 entstand der Freistaat Thüringen. Seit 1990 wird der Begriff Südthüringen massiv eatbliert.

Fazit

Lediglich auf Grund des Aussterbens der Henneberger, deren vorher durch Geldmangel an die Wettiner verkauften Erbrechte und auf Grund des Eingreifens Kaiser Napoleons und seiner deutschen Freunde in die Landkarte Deutschlands, ist unsere fränkische Region heute ein Teil des Freistaats Thüringen.
Das heutige Südthüringen besitzt bis 1920 nur sehr geringe Berührungspunkte mit älteren Thüringer Herrschaftsgebieten. So stellen die Sächsischen Herzogtümer (1583 bis 1918/1920), die einizige Möglichkeit dar, die heutigen Grenzen des Freistaats Thüringen historisch herzuleiten. Um dies zu unterstützen werden die Ernestiner, als Nebenlinie der (ober-)sächsichen Wettiner, als thüringische Dynastie dargestellt. Dies betrachten wir als bewußte Geschichtsverfäschung. Aktuellstes Beispiel hierfür ist die demnächt eröffnende Ernerstineraussteluung: http://www.ernestiner2016.de.

Auf die Auswirkungen dieser geschichtlichen Entwicklung gehen wir detaillierter unter Franken im Freistaat Thüringen ein.