Die Geschichte Henneberg-Frankens („Südthüringens“)

Auf die Geschichte Thüringens, die Henne der Grafen von Henneberg und die fränkischen Adelsgeschlechter und geistlichen Regenten unserer Region gehen wir separat ein.

Fränkische Besiedlung

Zum Ende der Völkerwanderung war unsere Region sehr dünn und recht vermischt von Kelten, Sorben (Winden), Alemannen, Sueben und im Henneberger Land auch von wenigen Thüringern besiedelt. Von Westen her erweiterten die Franken vor allem dem Main stromaufwärts folgend ihr Herrschaftsgebiet.
Königreich der Franken Henneberg-Franken
Quelle und Vorlage: Wikipedia
Im Jahre 531 zerschlug jedenfalls eine Allianz aus Franken und Sachsen das Königreich Thüringen. Häufig wird behauptet, dass das heutige Südthüringen ebenfalls zum Königreich der Thüringer gehörte. Verbindliche Belege für diese Behauptungen gibt es jedoch nicht. Die nördliche Hälfte dieses Reiches viel an die Sachsen, die südliche Hälfte an die Franken. Für die Region südlich des Rennsteigs sind für diese Zeit lediglich einzelne thüringische Grabfunde und einzelne Berichte über Raubzüge der Thüringer bis nach Passau bekannt. Die gerne erwähnten Grabfunde aus dem Rhein-Main-Gebiet stammen aus der Zeit nach 531 und sind ausschließlich Gräber verdienter thüringischer Adeliger, die von den Franken dort eingesetzt und mit Besitztümenr belohnt wurden.

Ab etwa dem 6. Jahrhundert begann eine systematische Besiedlung unserer Region mit Franken. Diese assimilierten die ursprüngliche Bevölkerung und übernahmen die Vormachtstellung. Die Missionierung unserer Region fand ebenfalls vor allem von Würzburg ausgehend statt. Im Norden unserer Region spielte hierbei auch die Abteie Fulda und Hersfeld eine gewisse Rolle. In Teilen der Pflege Coburg hatte diesbezüglich Saalfeld einen gewissen Anteil. Man kann davon ausgehen, dass das Henneberger Land Ende des 9. Jahrhunderts bereits komplett fränkisch besiedelt war, in der Pflege Coburg war diese Phase etwa Mitte des 12. Jahrhunderts abgeschlossen. Die eigentlich Rennsteigregion wurde flächendeckend erst im Zuge der Industriealisierung in der Neuzeit auch von Gastarbeitern aus dem Thüringer Becken besiedelt.
Seit mehr als 1.000 Jahren sind wir und unsere Region also fränkisch! Dies zeigt sich noch heute sehr deutlich u.a. in Mentalität, Kultur, Brauchtum, Sprache und historischer Architektur. Mehr Details dazu unter Fränkische Identität.

Fränkische Geschichte vom 5. Jhd. bis zum 11. Jhd.

Politisch war das gesamte sogenannte Reichsgut Franken, das Stammesherzogtum Franken, als reichsunmittelbares Gebiet damals direkt den deutschen Königen und Kaisern unterstellt.
Administrativ wurde unsere Region lange Zeit vom 742 gegründeten Bistum Würzburg aus regiert, zu dem diese für die katholischen Christen auch bis 1973 bzw. 1994 gehörte. Das Bistum Würzburg gehörte um die Zeit der Entstehung des Heiligen Römischen Reiches zum Herzogtum Ostfranken, davor zum Herzogtum Franken.

Karte für ganz Franken: http://www.fraenkischer-bund.de/geschichte-frankens/die-franken/

Henneberg-Franken Bistümer
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Henneberg-Franken im Herzogtum Ostfranken
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Hennebergische Zeit und Sächsische Einflussnahme

Ab dem 11. Jahrhundert übernahmen schrittweise die fränkischen Henneberger administrativ das Zepter in unserer Region und formten diese zu einer Einheit.
Damals verlief durch das Coburger Land in Nord-Süd-Richtung die Grenze zwischen dem östlichen Grabfeld und dem Herzogtum Meranien. So kamen der heutige Landkreis Sonneberg und die östliche Hälfte des heutigen Landkreises Coburg erst nach dem Aussterben der Meranier 1248 in den Herrschaftsbereich der Henneberger. In der Pflege Coburg herrschten davor mehrere fränksiche Adelsfamilien – Schaumberger, Sterker-Wohlsbacher, Sonneberger, u.a. – und teilweise auch das Bistum Bamberg.
Die Henneberger bildeten durch die meist eher unfreiwiliige Einbindung der Gebiete kleinerer lokaler fränkischer Adelsgeschlechter die politisch-administrive Einheit, wie sie danach immer wieder und bis heute erkennbar ist. Durch die Einheirat in die Grafschaft Wildberg dehnte sich ihr Herrschaftsgebiet auch über große Teile des heutigen Unterfrankens bis nach Schweinfurt aus. Vor allem männliche aber auch einzelne weibliche Emporkömmlinge des Grafengeschlechts besetzten in ganz Deutschland regelmäßig wichtige weltliche und geistliche Ämter und Posten. Die flächenmäßig größte Ausdehnung erreichte die Grafschaft Henneberg Mitte des 14. Jhd..
Henneberg-Franken Grafschaft Henneberg 1350
Es gab dennoch noch einige Zeit einige Exklaven in der Grafschaft. So gehörte Meiningen von 1008 bis 1542 noch zum Bistum Würzburg. Einige kleinere verstreute Orte gehörten auch noch bis 1808 zum Bistum Würzburg. Im Bad Salzunger Raum gab es, teilweise geteilt, Lehensrechte der Abtei Fulda und Beistz der Nebenlinie der Henneberger der . Schmalkalden hat eine recht wechselvolle Geschichte aufzuweisen. Von 1360 bis 1583 teilten sich hier die Henneberger die Herrschaft mit den Landgrafen von Hessen. Aus dieser Zeit begründet sich auch der besondere Status von Zella-Mehlis und Oberhof als Exklave von Meiningen. Durch den Erwerb von Lehensrechten und durch geschickte Heiratspolitik wurden von Ihnen auch nicht hennebergisch-fränkische sondern hessische und thüringisch-obersächsische Gebiete vor allem im Westen und Norden des Altkreies Bad Salzungen und auch Ilemnau erworben.
Durch die Heirat von Katharina von Henneberg mit dem Kurfürsten von Brandenburg und den hierbei abgeschlossenen Erbvertrag kam die Pflege Coburg 1291 administrativ zu Brandenburg. 1312 kam sie noch einmal zurück an die Henneberger, um dann ab 1353 bzw. 1374 zum Kurfürstentum Sachsen zu gehören. Die war der erste Schritt Henneberg-Frankens in Richtung (Süd-)Thüringen. So kam es auch, dass diese nach der Schaffung der Rechskreise im Jahr 1500 ab 1512 zum Obersächsischen Reichskreis gehörte. Die Wettiner verwendeten für dieses Gebiet die Bezeichnung Ortslande zu Franken. Von 1527 bis 1553/1572 bildete dort die Pflege Coburg den Verwaltungsbezirk Fränkischer Kreis.
Die Gebiete der Henneberger im heutigen Unterfranken gingen größtenteils durch das Aussterben der Linie Henneberg-Aschach Mitte des 16. Jhd. verloren.
Henneberg-Franken Grafschaft Henneberg 1542

Die restlichen und ursprünglicheren Hennberger Gebiete des heutigen sogenannten „Südthüringen“ gehörten bis 1806 politisch zum Fränkischen Reichskreis, auch wenn Teile davon Ende des 16. Jahrhunderts, nach dem Aussterben der Henneberger 1583, über Erbverträge administrativ zu Sachsen oder Hessen kamen.
Henneberg-Franken Reichskreise
Karte für ganz Franken: http://www.fraenkischer-bund.de/geschichte-frankens/fraenkischer-reichskreis/

Grundlagen für diese Übernahmen waren Mitte des 16. Jahrhunderts geschlossene Erbverträge, der Kasimirische Vertrag (1521), der Kahlaer Vertrag (1554) und der Salzunger Vertrag (1583). Da die protestantischen Henneberger u.a. aus den katholischen Teilen Frankens im Süden kein Geld mehr geliehen bekamen, hatten die ebenfalls protestantischen Wettiner so ein recht leichtes Spiel Erbansprüche vertraglich zu sichern. Dies war die zweite Schritt unserer Region Richtung Thüringen. Gerne wird diese Entwicklung oftmals als bewusster und entscheidender Schritt in Richtung Thüringen erwähnt. An der geografischen und kulturräumlichen Zuordnung dieser Region zu Süddeutschland hat diese Entwicklung jedoch bis heute nichts verändert. Wer weiß was passiert wäre, wenn nicht die Henneberger sondern die Wetttiner ausgestorben wären?
1680 kam es bei den Wettinern zu einer Erbteilung, die u.a. das Coburger Land auseinander riss. Hildburghausen war für kurze Zeit ein eigenes Herzogtum und Sonneberg kam zu Sachsen-Meiningen. Die war der dritte Schritt unserer fränkischen Region nach Thüringen.
Das Bistum Würzburg hatte zu dieser Zeit verstreut über unsere gesamte Region noch viele Besitzungen. Im Jahre 1808 kam es zu einem bedeutenden Flächentausch zwischen dem Großherzogtum Würzburg und Sachsen-Coburg-Meiningen und Sachsen-Römhild. Die letzten Besitzungen des Bistums Würzburg in Henneberg-Franken waren die Orte Walldorf mit Breuberg, Bibra mit Hof Aroldshausen, Hof Rupprechts, Nordheim, Wolfmannshausen, Berkach und Gleicherwiesen; sowie die lehensherrlichen Rechte auf Meiningen und Jüchsen, welche mit dem Staatsvertrag von 1808 verloren gingen. Im Austausch erhielt Würzburg die sachsen-meiningischen und sachsen-römhildischen Anteile folgender Ortschaften: Willmar, Sondheim im Grabfeld, Gollmuthhausen, Trappstadt, Rothhausen, Sternberg, die Riedmühle bei Königshofen und die Riedmühle bei Gabolshausen.
Danach übernahm Sachsen-Meiningen eine ähnliche zentrale Funktion in Henneberg-Franken, mit Ausnahme der zu Preußen gehörenden Gebiete und des Anteils von Sachsen-Weimar-Eisenach, wie sie vorher die Henneberger zuletzt, ebenfalls von Meiningen aus, ausübten.

Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation

Napoleon schaffte die Reichskreise ab und brachte in einem Kuhhandel mit den Wittelsbachern den Großteil Frankens zu Bayern. Die von Sachsen verwalteten Gebiete gingen nun endgültig und fast vollständig zu Sachsen über. 1826 wurde mit dem Teilungsvertrag von Hildburghausen die Schaffung eines einheitlchen und damit nordfränkischen Herzogtums der Wettiner südlich des Rennsteigs verhindert. Als Kriegsbeute gingen Schmalkalden, Suhl und Schleusingen Anfang und Mitte des 19. Jahrhunderts zu Preußen. Die südliche Hälfte der ehemaligen Pflege Coburg, damals bei Sachsen-Coburg-Gotha, entschied sich per Volksabstimmung 1919 für einen Wechsel nach Bayern. Im damaligen Sachsen-Meiningen wurde auch über einen Wechsel nach Bayern nachgedacht. Man entschied sich jedoch vor allem aus wirtschaftlichen Gründen und ohne Volksabstimmung dagegen, befand sich doch damals das industrielle Zentrum Deutschlands im Thüringer Becken und in Sachsen und war Bayern damals in erster Linie ein Agrarland. Keiner hat damals geahnt welche Konsequenzen diese Entscheidung bereits 25 Jahre später hatte. Dies war der vierte Schritt Richtung Thüringen. Zwischen den Enden der beiden Weltkriege entstand das Land Thüringen als Vorläufer des heutigen Freistaats Thüringen. 1947 gab es dann für die bis dahin zuletzt preußischen Gebiete unserer Region keine wirkliche Alternative als in das bis 1952 existierende Land Thüringen eingegliedert zu werden. Dies war der fünfte und letzte Schritt Richtung Thüringen. 1990 entstand wieder mit leichten Veränderungen das Land Thüringen.

In nachstehender Tabelle sind nicht alle Wechsel der Gebiete innerhalb der Nebenlinien der sächsischen Herzöge explizit aufgeführt, da dies die Tabelle unnötigerweise und extrem vergrößern würde.

Politische_Entwicklung_Suedthueringen