Geschichte des Altkreises Bad Salzungen

Der Altkreis Bad Salzungen existierte lediglich von 1950/1952 bis 1994. Denn die Stadt Bad Salzungen hatte in der Vergangenheit, bis ins 19. und 20. Jhd. hinein, nie eine zentrale Lage in einem größeren eigenem Territorium.

Die Stadt Bad Salzungen war vorher über viele Jahrhunderte hinweg immer in Richtung Meiningen verbunden und seit 1868 auch im Herzogtum Sachsen-Meiningen und bis 1950/1952 im Land Thüringen ein Teil des Kreises Meiningen gewesen. Eine Berechtigung als eigener Landkreis und als Kreistadt erhielt Bad Salzungen, im Nachinein betrachtet, letztendlich erst bzw. schon 1816 nach dem Wiener Kongreß, als das Herzogtum Sachsen-Weimar und Eisenach von Hessen u.a. die Ämter Vacha und Geisa zugesprochen bekam.

Bzgl. der Geschichte und sprachlich-kulturellen Zugehörigkeit des Altkreises Bad Salzungen stößt man immer wieder auf falsche oder zumindest einseitig ausgelegte Angaben. Wir wollen hier auf die entsprechenden Sachverhalte eingehen.

Beginnen wollen wir im Frühmittelalter. Die heutige Kulturregion Franken gehörte beginnend ab Mitte des 5. Jhd. zum Königreich der Franken, vorher zum größten Teil zum Königreich der Alamannen, lediglich am östlichen Rand (östliches Oberfranken) eventuell zum Herrschaftsbereich der Markomannen. (Dass die heutige Kulturregion Franken, wie oft behauptet, zum Königreich der Thüringer gehörte, ist nicht wirklich belegt und u.a. auf falsche Rückschlüsse zurückzuführen. Siehe Geschichte Thüringens.) In dieser Zeit begann bekanntlich die fränkische Besiedelung der ehemals keltischen heutigen Kulturregion Franken, zu der das heutige Südthüringen ebenfalls unumstritten gehört. Die östliche Hälfte des heutigen Franken stand später auch unter starkem slawischen Siedlungseinfluss (Winden, Sorben). Im heutigen Südthüringen findet sich dieser slawsiche Einfluß insbesondere im Landkreis Sonneberg und in den daran angrenzenden Bereichen des Landkreises Hildburghausen. Im Bereich des Mittleren Werratals sollen vor den Franken auch Chatten gelebt haben.

Fraglich ist der Grenzverlauf zwischen dem Herzogtum Thüringen und dem Herzogtum Franken im Bereich um Bad Salzungen im Frühmittelalter. Hier gibt es verschiedene Grenzziehungen.

Einen recht konkreten historischen Anhaltspunkt bringt die Zuordnung der Orte entweder zum Grabfeldgau und Tullifeld (Franken) oder zum Westergau und Ringgau (Thüringen oder Hessen). Letztere Zuordnung kann man andeutungsweise noch am Verbreitungsgebiet des Ringgauischen festmachen. Ringgauisch (seit 2006 Westthüringisch genannt) ist, trichterförmig in Richtung Nordwesten vom Großen Inselsberg ausgehend (Inselsbergfächer), ein Thüringisch-Altfränkischer Mischdialekt im Bereich zwischen den Städten Eisenach und Bad Salzungen und westlich daran anschließend im Werra-Meißner-Kreis.

Ein weiterer etwas später zu findender historischer Anhaltspunkt aus karolingischer Zeit ist die Zuordnung der Orte entweder zum Kloster Hersfeld (Schwerpunkte Nordhessen und Thüringen) oder zum Kloster Fulda (Schwerpunkt Franken). Südlich des Rennsteigs gehörten lediglich das Kloster Allendorf (heute Stadt Bad Salzungen) und das Kloster Herrenbreitungen zum Kloster Hersfeld. Das Kloster Fulda gehörte ab Mitte des 8. Jhd. und bis zur Mitte des 18. Jhd. kirchlich zum Bistum Würzburg. Das Kloster Hersfeld hingegen gehörte zum Erzbistum Mainz. Nach dem Wiener Kongress 1816 und Mitte der 1990er Jahre wurden die katholischen Bistümer neugeordnet.

Ab Anfang des 9. Jhd. sind die Popponen bzw. die Babenberger, eventuell die direkten Vorfahren der Henneberger Grafen, als Grafen im Grabfeldgau belegt. 939 wurde das Herzogtum Franken in ein Herzogtum Westfranken (Hessen und Pfalz) und ein Herzogtum Ostfranken (Franken) aufgeteilt. Etwa ab diesem Zeitpunkt erreicht der fränkische Siedlungstrom auch die slawischen Gebiete, inbesondere im heutigen Oberfranken. Dieser erreichte in schwächerer Ausprägung im Bereich des Vogtlandes auch das heutige Südostthüringen. Im Hochmittelalter und in der beginnenden Neuzeit erreichte dieser noch das Vogtland und zuletzt auch das Erzgebirge.

Die Herren von Frankenstein, eine Nebenlinie der Grafen von Henneberg, hatten immer wieder auch Lehen der Abteien Fulda und Hersfeld inne. Hierbei handelte sich teilweise auch um Gebiete und Orte, die vermutlich ürsprünglich nicht zum Grabfeldgau gehörten. Von etwa 1180 bis 1247 gehörte die Stadt Schmakladen zur Landgrafschaft Thüringen. Zu dieser Zeit hatten die Ludowinger zeitweise auch Besitzrechte an der Stadt Bad Salzungen. Ab etwa dem 15. Jhd. nahm der Einfluß der Wettiner auf die Stadt Bad Salzungen und auf einzelne Orte in der Rhön zu.

Ab dem 2. Juli 1500 gehörten die Ämter und Gerichte Salzungen, Allendorf, Liebenstein, Altenstein und Kaltennordheim bis 1806 zum Fränkischen Reichskreis. 1542 fand ein größerer Gebietstausch zwischen den Henneberger Grafen und den Würzburger Bischöfen statt, der auch den späteren Altkreis Bad Salzungen etwas betraf. Die ebenfalls 1500 gegründete Fränkische Reichsritterschaft war im Bereich des heutigen Süthüringen vergleichweise weniger stark vertreten als in den anderen Teilen Frankens.

Sprachlich ergibt sich für den Altkreis Bad Salzungen folgendes Bild:

Dialekte Altkreis Bad Salzungen

Im Altkreis Bad Salzungen stoßen drei Dialekte aufeinander:

  • Im Norden der thüringisch-altfränkische Mischdialekt Ringgauisch, im Thüringer Wörterbuch seit 2006 Westthüringisch genannt.
  • Im Südwesten der hessisch-fränkische (westfränkisch-ostfränkische) Mischdialekt Osthessisch und hiervon die Mundartvariante Rhönerisch, auch Rhöner Platt genannt, welcher meist den mainfränkischen (unterostfränkischen) Dialekten zugeordnet wird.
  • Im Südosten der mainfränkische (unterostfränkische) Dialekt Hennebergisch.

Historisch ergibt sich folgendes Bild:

historsiche-aemter-im-altkreis-bad-salzungen

Der Altkreis Bad Salzungen stand historisch unter starkem Einfluss der Abtei Fulda, teilweise auch der Abtei Hersfeld und des Hochstifts Würzburg, der Grafschaft Henneberg einschließlich deren Nebenlinien, den Hessischen Landgrafen und der Thüringer Landgrafen, später der Wettiner. So nimmt dieser Bereich die Funktion als Schnittstelle ein, die man gerne, jedoch unnötigerweise und unbegründet, dem gesamten heutigen Südthüringen zuordnet. Selbst für die Herrschaft Schmalkalden ist diese Funktion nicht wirklich gegeben.

Hier die Entwicklung der einzelnen Ämter seit dem 11. Jhd.:

Amt Salzungen

Das Amt Salzungen war ursprünglich Besitz der Abtei Hersfeld, danach der Herren von Frankenstein (Nebenlinie der Grafen von Henneberg). Ab 1306/1311/1317 Kondominium (geteilte Herrschaft) mit der Abtei Fulda. Ab 1330 übernahmen die Henneberger die Hälfte der Frankensteiner. Die Henneberger Hälfte fiel bereits vor 1485 (Leipziger Teilung) an die Wettiner. 1366 ging die fuldische Hälfte an die Landgrafschaft Thüringen, 1409 an das Erzstift Mainz, 1423 an das Hochstift Würzburg, 1433 zurerst als Pfand und 1459/1501 als Besitz ebenfalls an die Henneberger, 1577 an die Grafen von Stolberg, jedoch unter Zwangsverwaltung von Sachsen-Coburg. 1657 wurden die beiden Hälften innerhalb von Sachsen-Gotha wieder vereint. Von 1680 bis 1920 gehörte das Amt Salzungen zum Herzogtum Sachsen-Meiningen.

Klosteramt Allendorf

Das Klosteramt Allendorf war ursprünglich Besitz der Abtei Hersfeld, später der Abtei Fulda, ab 1366 der Landgrafschaft Thüringen. 1528 Vereinigung mit dem Amt Salzungen.

Amt Altenstein

Das Amt Altenstein war ursprünglich Besitz des Klosters Fulda, danach der Herren von Stein. Ab 1346 Landgrafschaft Thüringen. 1680 bis 1920 Sachsen-Meiningen. Das Amt Altenstein gehörte eventuell zum Obersächsischen Reichskreis. Genaue Quellen für diese andernorts zu findende Annahme sind uns nicht bekannt.

Gericht Liebenstein

Das Gericht Liebenstein war ursprünglich Besitz des Kloster Fulda, danach der Herren von Frankenstein, fiel 1354 an die Wettiner, ab 1360 von den Herren von Stein verwaltet. 1680 bis 1920 Sachsen-Meiningen.

Herrschaft Lengsfeld

Der Herrschaft Lengsfeld war ursprünglich Besitz der Abtei Hersfeld, 1235 der Abtei Fulda, danach der Herren von Frankenstein, 1326 wieder Fulda. Zwischenzeitlich Kondominium mit den Grafen von Henneberg und den Thüringer Landgrafen. Ab 1444 hessisch-thüringische Adelsgeschlechter. 1701 reichsunmittelbar, 1735 Kondominium mit den Freiherren von Müller (Sachsen-Coburg). 1803 Hochstift Fulda, kurz Kurfürstentum Hessen. 1807 Königreich Westphalen, 1810 Großherzogtum Frankfurt, 1814 Kurhessen, 1815 Preußen. 1816 bis 1920 Sachsen-Weimar und Eisenach.

Amt Fischberg

Das Amt Fischberg war ursprünglich Besitz der Abtei Fulda, danach der Grafen von Neidhartshausen. 1214 Herren von Frankenstein, 1317 Kloster Fulda. 1455 Kondominium der Grafen von Henneberg und der Herren von Thann. 1485 komplett bei den Hennebergern. 1583 Wettiner. 1594 zum Amt Kaltennordheim. 1707 Kloster Fulda. 1764 Aufteilung Fulda und Sachsen-Weimar und Eisenach. 1803 Hochstift Fulda, kurz Kurfürstentum Hessen. 1807 Königreich Westphalen, 1810 Großherzogtum Frankfurt, 1814 Kurhessen, 1815 Preußen. 1816 bis 1920 Sachsen-Weimar und Eisenach.

Amt Kaltennordheim

Das Amt Kaltennordheim war ursprünglich Besitz der Abtei Fulda, danach der Grafen von Neidhartshausen. 1268 Kondominium Kloster Fulda und Grafen von Henneberg. 1332 komplett bei den Hennebergern. 1350 Fulda, 1419 Henneberger, 1444 Herren von Schwarzenberg, 1448 Henneberger. 1583 Wettiner. 1741 bis 1920 Sachsen-Weimar und Eisenach.

Gericht Völkershausen

Das Gericht Völkershausen war ursprünglich Besitz der Abtei Hersfeld, danach Herren von Frankenstein bzw. Herren von Völkershausen. 1336 Grafen von Henneberg. Viele Besitzer, auch Kloster Fulda. 1583 Wettiner, Landgrafen von Hessen und Fulda. 1803 Hochstift Fulda, kurz Kurfürstentum Hessen. 1807 Königreich Westphalen, 1814 Kurhessen. 1816 bis 1920 Sachsen-Weimar und Eisenach.

Amt Krayenberg

Das Amt Krayenberg war ursprünglich Besitz der Abtei Hersfeld, dann der Herren von Dorndorf, danach Herren von Frankenstein. 1407 Landgrafschaft Thüringen. 1516 Herren von Beichlingen. 1567 Wettiner. Sachsen-Eisenach. 1741 bis 1920 Sachsen-Weimar und Eisenach.

Amt Vacha

Das Amt Vacha war ursprünglich Besitz der Abtei Hersfeld, 1186 Abtei Fulda. 1406 Kondominium Kloster Fulda und Landgrafschaft Hessen. 1648 Hessen komplett. 1807 Königreich Westphalen, 1814 Kurhessen. 1816 bis 1920 Sachsen-Weimar und Eisenach.

Amt Geisa

Das Amt Geisa war ursprünglich Besitz der Abtei Fulda. Verwaltung durch Herren von Rockenstuhl, kurzzeitig Grafen von Henneberg, 1427 bis 1496 Landgrafschaft Hessen und Erzbistum Mainz. 1807 Königreich Westphalen, 1810 Großherzogtum Frankfurt, 1814 Kurhessen. 1816 bis 1920 Sachsen-Weimar und Eisenach.

Wettinisch-Obersächsische Zeit und Land Thüringen

Das Amt Kaltennordheim gehörte nach dem Aussterben der Gefürsteten Grafen von Henneberg 1583 zum von den Ernestinern und Albertinern gemeinsam verwalteten Gebiet, also dem bis 1660 verbliebenen Rest der Grafschaft Henneberg. Bis 1741 gehörte es zum albertinischen Herzogtum Sachsen-Zeitz und erst danach zum Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Alle anderen westlichen Ämter kamen erst 1816 zum Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Das Eisenacher Oberland stellt also keine homogene historische Einheit dar und kann deshalb z.B. auch nicht für die historische Begründung von Landkreiszuschnitten verwendet werden.

Die nordöstlichen Ämter um die Städte Bad Salzungen und Bad Liebenstein gehörten später u.a. zum Kurfüstentum Sachsen und von 1680 bis 1920 zu Sachsen-Meiningen und waren deshalb nicht Teil des Eisenacher Oberlandes. Von 1920 bis 1952 gehörten diese auch im Land Thüringen zum Landkreis Meiningen. 1922/1923 wurden bei einer ersten Kreisgebietsreform im Land Thüringen die Exklaven weitestgehend bereinigt.