Fränkische Identität

Franken im Freistaat Thüringen

Die Fränkische Geschichte des heutigen Südthüringen haben wir an anderer Stelle ausführlich dargestellt. In Kurzform gab diese Geschichte 1863 Victor von Scheffel in seinem Gedicht Der Rennstieg wieder: Der Rennstieg – Victor von Scheffel 1863 . Auch August Trinius hatte die Bedeutung des Rennsteigs als kulturräumliche Grenze erkannt: August Trinius Fränkisches Wesen .

Wir möchten hier vor allem die kulturräumliche Zugehörigkeit des heutigen Südthüringen zu Franken erklären.

Fränkische Besiedlung

Bereits ab dem 6. Jahrhundert und bis etwa zum 12. Jhd. wurde unsere Region dem Main und dessen Zuflüsse aufwärts folgend von Franken besiedelt, was man heute noch sehr leicht an Mentalität, Kultur, Brauchtum, alter Architektur und Sprache erkennen kann. Etwa vom 9. Jhd. bis zum 11. Jhd. gab es von Osten her einen slawischen Siedlungseinfluss, der relativ deutlich noch an Ortsnamen im Landkreis Sonneberg und schon deutlich schwächer auch noch im Landkreis Hildburghausen erkennbar ist. Der Kamm des Thüringisch-Fränkischen Mittelgebirges, die eigentliche Rennsteigregion, wurde erst zu Beginn der Neuzeit besiedelt. Hier kam es auch zu einzelnen thüringischen Siedlungseinflüssen südlich des Rennsteigs, z.B. im  Norden des Landkreises Sonneberg. Einen weiteren thüringischen Zuzug gab es während der DDR-Zeit, welcher insbesondere in Suhl durchaus erkennbar ist, aber keinesfalls die fränkische Prägung verdrängen konnte.

Dialekte und Mundart

Das heutige Südthüringen gehört zum Ostfränkischen Sprachraum, welcher dem Oberdeutschen zugeordnet ist. Hier werden die mainfränkischen Dialekte Rhönerisch, Hennebergisch, Grabfeldisch und Itzgründisch gesprochen. Dem Rhönerisch werden hessische Spracheinflüsse zugesprochen. Ein leichter hessischer Spracheinfluss im nördlichen Verbreitungsgebiet des Hennebergischen verschwindet sehr schnell in Richtung Osten. Das im Altkreis Bad Salzungen nördlich des Salzbogens gesprochene Ringgauisch ist ein Thüringisch-Fränkischer Mischdialekt. Gleiches gilt für das Sorbenfränkisch, welches man im Norden des Landkreises Sonneberg spricht.

Mundarten in Henneberg-Franken
Kulinarisches

Quasi schon auf den ersten Bissen merkt man, dass die Bratwurst südlich des Rennsteigs nur wenig mit der Thüringer Roster gemeinsam hat, sondern z.B. in Suhl sehr stark einer Coburger Bratwurst gleicht. Der Thüringer Kloß müsste strenggenommen eigentlich Fränkischer Kloß heißen, weil dieser erstmals im fränkischen Effelder erwähnt wurde. Die Küche in unserer fränksich geprägten Region hat generell einen sehr starken Bezug in die benachbarten fränkischen Gebiete in den Bundesländern Bayern und Hessen. Thüringer (Rost-)Bratwurst und Thüringer haben sich jedoch im heutigen Südthüringen als Marken massiv etabliert.

Architektur

Die mittelalterliche Architektur unserer Region ist vorwiegend fränkisch, sofern diese nicht z.B. durch zugereiste Bergleute mitgebracht wurde. Beispiele sind das Hennebergisch-Fränkische Fachwerk und das für große Teile Frankens typische Bauernhaus mit integriertem Stall.
Die nachmittelalterliche Architektur unterscheidet sich zu großen Teuilen nicht mehr von der Architektur anderer Regionen Deutschlands.

„Breitenkultur“ und Bräuche

Die kulturräumliche Zuordnung und Herkunft im heutigen Südthüringer heute noch und in der jüngeren Vergangenheit gelebter Bräuche wurde bisher nicht wissenschaftlich untersucht und bearbeitet. Dennoch ist für viele Bräuche eine Zuordnung zu Ober- und Unterfranken bekannt oder zumindest zu vermuten.

Kirchweih

Die mit einer umfangreichen mehrtätigen Zeremonie ausgestattete Plankerwa des Itzgrundes und auch die Kirmes, die man in unserer Form von Unterfranken, über das Henneberger Land bis in die Randgebiete des thüringisch-obersächsischen Kulturraums findet, findet man nördlich erst seit kurzem in Form von ersten Nachahmungen. Der Begriff Kirmes hat in seinen verschiedenen Schreibweisen ein sehr großen Verbreitungsgebiet, welches über Franken wiet hinausreicht. Den Begriff Kerwa findet man jedoch nur in Franken, vom heutigen Südthüringen bis hinunter nach Mittelfranken.
Am Ständala, dem von Blasmusik und Tanz Kirchweihumzug der Kirchweihgesellschaft durchs Dorf, wird vielerorts auch Fränkische Volksmusik gespielt und es werden die für Franken typischen Tänze getanzt. Auch wenn die Thüringer Tracht als Modeerscheinung ebenfalls in Franken zu finden ist, ist in der Tracht des heutigen Südthüringen, welche ebenfalls bei der Kirchweih eine wichtige Rolle spielt, ein eindeutig dominierender Bezug zu Franken vorhanden.
Echte Tanzlinden findet man heute nur noch in Oberfranken und im heutigen Südthüringen. Früher gab es diese auch im angrenzenden Unterfranken, nördlich des Rennsteigs und in anderen Regionen Deutschlands finden sich lediglich einfache Kopien.

Bräuche

Insebesondere im Raum Meiningen und Hildburghausen haben sich bis heute viele Bräuche erhalten, die einen einseitigen starken Bezug zu Franken oder zu Süddeutschland besitzen.
Wir werden hier in absehbarer eine Liste einstellen.

Weitere Beispiele fränkischer Erkennungsmerkmale unserer Region

Vereinswesen

Es existieren auf beiden Seiten der Landesgrenze mehrere thüringisch-fränkische Traditions- und Geschichtsvereine. Mehr dazu unter Links.
In ganz „Südthüringen“ gibt es immerhin fünf Fan-Clubs des 1. FC Nürnberg, jedoch nur einen einzigen Fan-Club von Rot-Weiß Erfurt.
Die Schachabteilung der SG 1951 Sonneberg e.V. gehört zum Kreisverband Coburg/Neustadt, Lichtenfels/Kronach.
Die Längergrenzen übergreifende Vereinspartnerschaften sind sehr häufig.

Kultur

2013 gewannen die Sumbarcher Waschweiber (Sonneberger Waschfrauen) den Titel „Supernarr“ beim gleichnamigen Wettbewerb der „Fastnacht in Franken“ des Bayerischen Fernsehens.
Die Original Südthüringer Musikanten aus Frankenblick/Effelder probten viele Jahre im bayerischen Weißenbrunn vorm Wald (Stadt Rödental).